Ich schritt durch die nunmehr leere Straße, die ich schon so oft durchquert hatte, sei sie nun leer gewesen oder von Menschen bevölkert. Der Herbst hatte den Asphalt mit Blättern bedacht, die von den majestetischen Bäumen wie Regen fielen, um der Sonne zu helfen auf die Menschen zu schauen. Die Luft war feucht von dem leichten Nieselregen, der erst Minuten davor aussetzte, um dem letzten Sonnenstrahl noch die Ehre zu erweisen. Die Straße schien einzig von den Sphären der Natur durchsetzt und bis auf die Anzeichen der Zivilisation, in Form von Beton und Blech, deutete nichts auf die Anwesenheit von Menschen hin. Wobei nichts, ob der sechsstöckigen Häuserblöcke und der vielen geparkten Autos, vielleicht ein wenig seltsam anmuten mag. Doch es war eben einer dieser seltenen Momente, die uns den Frust des Leides, das man sehen, aber nicht lindern kann, nehmen und uns mit der Lust des Lebens, die man nicht sehen, aber fühlen kann, umströmen.
In solchen Momenten kann man nichts anderes tun als innehalten. Man kann auch versuchen sie festzuhalten, um die Magie des Augenblicks mithilfe einer mehr oder weniger geglückten Wahl von Worten zu verbalisieren.
Vernachlässigen wir also für einen Augenblick die aufgedrängten äußerlichen Fragen nach irgendwelchen Nichtigkeiten, die uns justament so wichtig erscheinen. Fragen nach dem Tod, der Gerechtigkeit, der Menschlichkeit, sie sind nur eine Last, die die Magie des Augenblicks rauben und niemals etwas gleichwertiges zurückgeben, da sie die Vernunft der Mitmenschen erfordern, was nicht nur idealistisch, sondern schlichtweg dumm ist.
Befreit von all diesen Fragen, immer noch erfüllt von der Erhabenheit des Augenblicks, da die Natur, mitten in dem von Menschen erschaffenenm Werk, jegliche Struktur und Ordnung bricht, nur um für ein Quäntchen Zeit sich zu offenbaren, vergesse ich den Ort, an dem ich stehe. Und plötzlich, eingeholt von der Realität, von Stimmen, die sich nähern und verlieren, von Geräuschen, die mich umgeben, von der Luft, die schwer vom Wind getragen wird, begreife ich, was mein Verstand mir sagt: Die Heimat des Menschen liegt dort, wo Fremde etwas Magisches ist.
LukSus - 3. Nov, 21:43