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7
Nov
2005

Zeit. Auf. Sturm.

Die Gewalt lässt Paris nicht mehr los. Aller Voraussicht nach, wird sie das auch nicht in absehbarer Zeit. Das Pulverfass scheint explodiert und nun hat man mit Bränden in mehreren Städten zu rechnen. Das Feuer, ein guter Freund einer jeden Revolution, wütet in den Vorstädten. Alles, was als Repräsentanz des Systems angesehen werden kann, soll in Flammen aufgehen: Schulen, die die meisten der Randalen nie beendet haben und weswegen sie auch keine Berufsaussichten haben, Fabriken, die Arbeit bieten, aber eben keine Arbeit für sie, und Autos, Statussymbole des Wohlstands, gleichzeitig aber auch sehr willkommene Ziele, aufgrund ihrer Größe.

Gläser zersplittern, Menschen schreien, Flammen züngeln. Geräusche eines Aufstandes der Schwachen. Fenster von Häusern werden zertrümmert, weil man dem Haus damit jeden Schutzcharakter raubt. Gleichzeitig manifestiert sich das Geräusch des zerberstenden Glases auch zum Revolutionsgeräusch, zum Geräusch der Zerstörung. Das Feuer manifestiert sich zum Bild der Zerstörung.

Diese Form der Gewalt wird weiter anhalten. Sie nährt ihre Vollstrecker aus dem Hass, der von den sozialen Spannungen über Jahrzehnte geschürt wurde, und gewinnt immer mehr Zuspruch. Dass die Krawalle nicht ins Stocken geraten, heißt ja nicht, dass die Polizei nicht in der Lage ist, Leute festzunehmen, sondern dass sich immer mehr anschließen.

Würde Polititk nicht aus reiner Schönrederei bestehen, sondern aus Handlungen, stünde Europa vor einigen Problemen weniger. So aber versinkt Frankreich in einem Sumpf der Gewalt, die noch mehr Gewalt zur Folge hat. Und auch andere Länder haben ghettoartige Regionen, in denen soziale Spannungen ins Extrem geschürt werden. Nun wäre es an der Zeit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, auch wenn gerade kein Wahlkampf ist.
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Eindrücke. Reflexionen.

Purer LukSus.

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