Wieder Paris. Eigentlich noch immer. Der erste Tote. Sagt man.
Der Dritte. Eigentlich. Mit den zwei Jugendlichen.
Die Masse tobt. Immer noch. Immer mehr. Keine Hoffnung auf Frieden.
LukSus - 7. Nov, 23:43
Die Entwicklung der Gleichberechtigung gilt als fortgeschritten, wenngleich auch nicht als abgeschlossen. Man freut sich ob neuer Statistiken über Frauenanteile in Firmen. Man überlegt laut Bundeshymnen geschlechtsneutral zu gestalten. Sprich: Man versucht die Emanzipation schön öffentlich hinter Zahlen zu verstecken. Doch Entwicklungen müssen auch von den Menschen gelebt werden.
Keine Veränderung ohne die Menschen. Also keine Veränderung. Die häusliche Gewalt ist und bleibt ein Thema, und das nicht nur in Migrantenfamilien. Die Respektlosigkeit, mit der Frauen entgegengetreten wird, ist allgegenwärtig, auch außerhalb von Haushalten. Die Pietätlosigkeit der Werbung reduziert Frauen auf das, was den Verkauf steigert und mindert damit die geistige Emanzipation zu einem Gutteil mit.
Denn was nützt der gute Gedanke der wenigen gegen die stumpfe Dummheit der Vielen? Nicht viel leider.
Schon bei der EU hat man Ähnliches festgestellt. Europa stirbt, wenn man Europa keine Seele besitzt.
LukSus - 7. Nov, 23:20
In Zeiten, in denen die Arbeitslosigkeit steigt, die Wirtschaft nicht zum Erstarken kommt, die Bildung immer schlechter wird, wittern rechte Außenposten ihre Chance. Sei es die NPD in Deutschland, die FPÖ in Österreich, der Vlaams Block in Holland oder die PiS in Polen, um nur einige Beispiele zu nennen. Nationalismus und Xenophobie sind wieder en vogue.
Dabei ist es ja nicht etwas grundlegend Schlechtes, dass jedem Menschen ein gewisser Argwohn inneliegt, Fremdem zu begegnen. Dieser Argwohn, kombiniert mit Neugierde, ist berechtigt, ist dem Menschen doch das Verlangen eigen, aus der Erfahrung heraus Entscheidungen zu treffen. Die einfachste Differenzierung zwischen Dingen ist also die Differenzierung zwischen bekannt und fremd.
In Zeiten, in denen Paris von Unruhen heimgesucht wird, in denen der Terror wie ein Damoklesschwert über der westlichen Welt zu ruhen scheint, in denen die großen Volksparteien nicht mehr weiter wissen, treten die Ränder auf den Plan. Sie reduzieren den Menschen zum Beispiel auf ein deutsch oder fremd. Im Wahlprogramm der NPD ist es auch nicht verwunderlich, dass verlangt wird, Deutschland solle wieder deutsch werden, was auch immer das heißen soll, oder auch einmal geheißen hat.
Die Menschen sind anfällig für diese einfach gestrickten Gedanken, das ist uns schon mindestens seit den 40er Jahren bekannt. Nationalismus erstarkt immer in geschichtlichen Momenten der scheinbaren Ausweglosigkeit. In einem solchen befinden wir uns zwar bei weitem noch nicht, dennoch gewinnt der national-konservative Strom weiter an Bedeutung.
Einer der Gründe liegt in der Bequemlichkeit, sprich dem Desinteresse der Menschen. Es ist einfach die Schuld von sich zu weisen, sich in ein elitäres Grüppchen zu begeben und mit dem Finger dann auf die anderen zu zeigen. Es bedarf nicht viel Persönlichkeit sich als gestandener Deutscher, Österreicher o.Ä. zu präsentieren. Man muss sich nicht mit Themen der Nationalökonomie beschäftigen, den Sozialmarkt verstehen oder die Menschenrechte kennen, man ist in der Lage zu sagen, dass alles nur wegen denen so ist.
Hoffen wir darauf, dass sich die Volksparteien über die Gefahr im Klaren sind und nicht Antisemitismus, Rassismus und Menschenverachtung wieder an Stärke gewinnen.
LukSus - 7. Nov, 12:26
Die Gewalt lässt Paris nicht mehr los. Aller Voraussicht nach, wird sie das auch nicht in absehbarer Zeit. Das Pulverfass scheint explodiert und nun hat man mit Bränden in mehreren Städten zu rechnen. Das Feuer, ein guter Freund einer jeden Revolution, wütet in den Vorstädten. Alles, was als Repräsentanz des Systems angesehen werden kann, soll in Flammen aufgehen: Schulen, die die meisten der Randalen nie beendet haben und weswegen sie auch keine Berufsaussichten haben, Fabriken, die Arbeit bieten, aber eben keine Arbeit für sie, und Autos, Statussymbole des Wohlstands, gleichzeitig aber auch sehr willkommene Ziele, aufgrund ihrer Größe.
Gläser zersplittern, Menschen schreien, Flammen züngeln. Geräusche eines Aufstandes der Schwachen. Fenster von Häusern werden zertrümmert, weil man dem Haus damit jeden Schutzcharakter raubt. Gleichzeitig manifestiert sich das Geräusch des zerberstenden Glases auch zum Revolutionsgeräusch, zum Geräusch der Zerstörung. Das Feuer manifestiert sich zum Bild der Zerstörung.
Diese Form der Gewalt wird weiter anhalten. Sie nährt ihre Vollstrecker aus dem Hass, der von den sozialen Spannungen über Jahrzehnte geschürt wurde, und gewinnt immer mehr Zuspruch. Dass die Krawalle nicht ins Stocken geraten, heißt ja nicht, dass die Polizei nicht in der Lage ist, Leute festzunehmen, sondern dass sich immer mehr anschließen.
Würde Polititk nicht aus reiner Schönrederei bestehen, sondern aus Handlungen, stünde Europa vor einigen Problemen weniger. So aber versinkt Frankreich in einem Sumpf der Gewalt, die noch mehr Gewalt zur Folge hat. Und auch andere Länder haben ghettoartige Regionen, in denen soziale Spannungen ins Extrem geschürt werden. Nun wäre es an der Zeit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, auch wenn gerade kein Wahlkampf ist.
LukSus - 7. Nov, 11:11