Reality. Media.
Als Mitte der 90er Jahre die ersten Reality-Shows wie Big Brother boomten, hat wohl noch niemand geahnt, welche grundlegenden Veränderungen des Medienverständnisses diese Entwicklung mit sich bringen könnte. Heute, im Jahre 2005 scheint nichts mehr unmöglich. Hier werden schwer erziehbare Kinder „professionell“ vor laufender Kamera „normalisiert“. Dort werden Kandidaten in souveräner Big Brother–Manier über Monate in den Container gesperrt. Wieder woanders buhlen 25 junge Frauen mit jeder erdenklichen Peinlichkeit um ihren „Bachelor“. Doch wohin wird diese Entwicklung führen?
Der Kampf um die Einschaltquoten beantwortet diese Frage. Auf der Suche nach neuen Ideen wird schnell jegliche moralische Blockade überwunden. So werden im Reality-Format „The Swan“ auf FOX und auf ProSieben Menschen bei ihrem chirurgischen Weg vom hässlichen Entlein zum strahlenden Schwan gezeigt. Das russische Format „Golod“ (Hunger) hat den Trend der Zeit anscheinend erkannt und zeigt die Teilnehmer beim Verdienst ihres täglich Brot: erworben durch Betteln in der deutschen Bundeshauptstadt Berlin. In „Die Super Nanny“ lernt man, wie man „mit aufsässigem Nachwuchs fertig wird.“ So wird der zornige Max zum Beispiel ins „Stille Zimmer“ gesperrt, natürlich vor laufender Kamera. Ebenfalls vor laufender Kamera sieht man, wie der einst so starke Max einen Weinanfall bekommt. Dies wird von der Super Nanny als Erziehungserfolg gewertet, der deutsche Kinderschutzbund erkennt darin einen gebrochenen Willen.
Doch welcher Sinn steht hinter diesen und anderen Reality-Shows?
Diese Shows möchten die Wirklichkeit zeigen, sie wollen uns die Möglichkeit bieten, unseren Mitbürger bei seinem Tun und Treiben zu beobachten. Egal, ob unter künstlichen Bedingungen, also im Container, oder im alltäglichen Leben, diese Sendungen bieten ein reines Beobachten, das Publikum verkommt zum Voyeur. Das Zielpublikum sind also eindeutig FreundInnen der einfachen Unterhaltung. Der Medienkonsum soll sie nicht allzu stark belasten, da sie Entspannung von einem harten Arbeitstag brauchen oder es vielleicht endlich geschafft haben, ihren Nachwuchs ins Bett zu kriegen. Auf alle Fälle sind diese Formate professionelle Methoden, vor dem eigenen Leben zu flüchten, denn im Gegensatz zu anderen Möglichkeiten, das Medium Fernsehen zu konsumieren, leiden Reality-Shows an einer fehlenden Atmosphäre und fehlender Information.
Auch die Zeit für wahre Gefühle, sei es nun Angst, Wut oder Liebe, nimmt sich eine Reality-Show nicht. So mag wohl der größte Unterschied zum herkömmlichen Fernsehen sein, dass man nach dem Konsum nichts aus der Sendung mitgenommen hat, sei das nun Wissen durch Dokumentation oder Nachrichten, oder Atmosphäre und Gefühle durch Filme und Dramen. In einer Welt, der von so vielen Seiten ihre Kälte und ihre Unwissenheit vorgeworfen wird, liegen Formate im Trend, die eben das propagieren: Das Einfache soll siegen, geistige Tiefe ist „out“.
Der Kampf um die Einschaltquoten beantwortet diese Frage. Auf der Suche nach neuen Ideen wird schnell jegliche moralische Blockade überwunden. So werden im Reality-Format „The Swan“ auf FOX und auf ProSieben Menschen bei ihrem chirurgischen Weg vom hässlichen Entlein zum strahlenden Schwan gezeigt. Das russische Format „Golod“ (Hunger) hat den Trend der Zeit anscheinend erkannt und zeigt die Teilnehmer beim Verdienst ihres täglich Brot: erworben durch Betteln in der deutschen Bundeshauptstadt Berlin. In „Die Super Nanny“ lernt man, wie man „mit aufsässigem Nachwuchs fertig wird.“ So wird der zornige Max zum Beispiel ins „Stille Zimmer“ gesperrt, natürlich vor laufender Kamera. Ebenfalls vor laufender Kamera sieht man, wie der einst so starke Max einen Weinanfall bekommt. Dies wird von der Super Nanny als Erziehungserfolg gewertet, der deutsche Kinderschutzbund erkennt darin einen gebrochenen Willen.
Doch welcher Sinn steht hinter diesen und anderen Reality-Shows?
Diese Shows möchten die Wirklichkeit zeigen, sie wollen uns die Möglichkeit bieten, unseren Mitbürger bei seinem Tun und Treiben zu beobachten. Egal, ob unter künstlichen Bedingungen, also im Container, oder im alltäglichen Leben, diese Sendungen bieten ein reines Beobachten, das Publikum verkommt zum Voyeur. Das Zielpublikum sind also eindeutig FreundInnen der einfachen Unterhaltung. Der Medienkonsum soll sie nicht allzu stark belasten, da sie Entspannung von einem harten Arbeitstag brauchen oder es vielleicht endlich geschafft haben, ihren Nachwuchs ins Bett zu kriegen. Auf alle Fälle sind diese Formate professionelle Methoden, vor dem eigenen Leben zu flüchten, denn im Gegensatz zu anderen Möglichkeiten, das Medium Fernsehen zu konsumieren, leiden Reality-Shows an einer fehlenden Atmosphäre und fehlender Information.
Auch die Zeit für wahre Gefühle, sei es nun Angst, Wut oder Liebe, nimmt sich eine Reality-Show nicht. So mag wohl der größte Unterschied zum herkömmlichen Fernsehen sein, dass man nach dem Konsum nichts aus der Sendung mitgenommen hat, sei das nun Wissen durch Dokumentation oder Nachrichten, oder Atmosphäre und Gefühle durch Filme und Dramen. In einer Welt, der von so vielen Seiten ihre Kälte und ihre Unwissenheit vorgeworfen wird, liegen Formate im Trend, die eben das propagieren: Das Einfache soll siegen, geistige Tiefe ist „out“.
LukSus - 4. Nov, 14:38




